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Samstag, 7. Juli 2012

Die Feste der Superlative

Ein seltsamer Trend hat Einzug in die Ankündigungen von Veranstaltern und Organisatioren von regionalen Events Einzug gehalten : Die maßlose Übertreibung und emotionalisierende Überhöhung. Es mag an einer Art Hype immer „ganz vorne“ mit dabei zu sein liegen. Vielleicht ist es die Angst, dass man übersehen wird, wenn man nicht total einmalig und einzigartig wirkt. Leider hat das alles eine logische Nebenwirkung. Bei einer Party, Stadtfesten und so weiter liegt das Problem zum Beispiel darin, dass die zu hoch gesteckten Erwartungen erfüllt werden müssen. Wer nur lange genug sucht und sich ein paar Statistiken bastelt, der wird immer einen Superlativ im Rahmen seiner eigenen Veranstaltung finden: Den „Leuchtturmeffekt“, das „Alleinstellungsmerkmal“ . Nur leider steckt hinter besonders klingenden Superlativen oft nicht viel. Wenn es nur ein transportables Riesenrad in Schleswig-Holstein gibt (als beliebiges Beispiel), dann ist es natürlich auch das größte seiner Art. Schlimmer ist es, wenn durch die unverhältnismäßigen Versprechen auch Druck auf auftretende Talente und Künstler übertragen wird. Reicht es nicht, dass Talente Musik machen, schauspielern oder tanzen? Ist der erste und zweite Auftritt nicht genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen? Muss man sagen, dass es besonders „ergreifend“, großartig und berührend ausfallen wird? Nicht jeder Nachwuchsmusiker oder -schauspieler ist ein Riesentalent – nicht jedes Konzert so unheimlich speziell. Muss es ja auch nicht. Auch normale, gute Veranstaltungen können Spaß machen.

Donnerstag, 5. August 2010

Wie Songs wandern...

Ein großes Thema, ein langes Thema, das ich nur kurz anschneiden möchte.
Auf dem diesjährigen Klangstadt Open Air sprach mich jemand an, ob ich diesen einen Song kennen würde, den die Ramoonies da gerade spielten. Es war "Surfin` USA" den die Original-Ramones einst von den Beach-Boys gecovered hatten. Nun fand er also seinen Weg an den Poggensee und für eine junge Frau war es einfach ein weiters Lied der Ramoonies. Eins das ihr gefiel und das sie gerne (natürlich von den Ramoonies) kaufen würde. Ihr war nämlich keineswegs bewusst, dass die Ramoonies nicht eigene Songs, sondern Coversongs der Ramones spielen und natülich erstrecht nicht, dass dieses also ein Cover eines Covers war. Heute Abend sah ich gerade in einer Dokumentation über Popmusik wiedermal das Original von den Beach Boys und welche Rolle diese und auch diese ganze Beach-Musik eigentlich in der Entwicklung der Pop-Musik spielten.
Die Beach Boys als ein Teil der amerikanischen Antwort auf die Beatles-Invasion und Beatlemania und diese Musik als Teil der totalen Kommerzialisierung einer Jugendbewegung und als erster Akt der Industrialisierung und damit Professionalisierung der Popmusik. Wie bei einem Ausflug in so einer Gedankenblase könnte man nun die Kamera zurückschwenken lassen auf den Poggensee wo die Ramoonies auf der Bühne spielen, einen neuen Fan gefunden haben, dem diese ganze Geschichte total egal ist, der den Song nur am vorläufigen Ende seiner Reise kennen lernt. Nein, es ging nicht um Kommerzialisierung, es schwang keine Revolution mit und wohl kaum einer dachte an das Schicksal der Beach Boys oder der Ramones als Menschen oder was sie empfunden haben mögen, als sie das erste Mal diesen Song eingespielt haben. Sie stand einfach vor der Bühne und fragte... "Wie heißt der Song? Haben sie den aufgenommen, weißt du das? Der ist cool"
Früher hätte mich sowas aufgeregt... wenn jemand das Original nicht kennt und nichtmal merkt, dass es ein Cover ist... aber warum eigentlich? War es so schlimm in dieser Situation und ist es nicht viel schöner, dass ein Song einen neuen Fan gefunden hat?